Ausrüstung, Touren und Know-how !

Willkommen auf The Lone Hiker!

Ich bin begeisterter Hiker und Trekker und gemeinsam mit einem Freund überlege ich, den Pacific Crest Trail (PCT) als Thru-Hike anzugehen. Zur Zeit bin ich dabei, meine Ausrüstung entsprechend anzupassen und bin fleißig am Recherchieren, Planen und Testen. Hier dokumentiere ich meine Resultate und besten Tipps, vielleicht helfen sie ja dem einen oder anderen von Euch, bringen Euch auf neue Ideen oder sparen Euch einfach etwas Zeit. Viel Spaß, wir sehen uns draußen! Alex



Schneezelten

Zelten im Schnee ist ein Riesenspaß, die Zelt-Konkurrenz hält sich in Grenzen und hinterher gibt es immer eine tolle Geschichte zu erzählen! Jedoch ist das Ganze auch ziemlich kalt und nass und bedarf etwas Planung und Know-How, um Spaß zu machen und um... naja... nicht zu erfrieren. ;-)

Vorbereitung: 

1. Wetterbericht prüfen und sich über die Bedingungen und Gefahren der Gegend informieren 

OK, das ist sehr basic, aber der wichtigste Punkt überhaupt! Ihr solltet wissen, welche Temperaturen und Witterungsbedingungen Euch erwarten, um die richtige Ausrüstung dabei zu haben. Auch Austiegsoptionen aus der Tour solltet Ihr vorher prüfen. Wenn der Schlafsack doch zu dünn oder die Luftmatraze irreparabel beschädigt ist, bleibt oft nur der Abbruch!

2. Material testen und langsam herantasten

Bevor Ihr für 3 Wochen in die Arktis fahrt, ist es sinnvoll, die Ausrüstung in ungefährlicheren Gefilden zu testen - und wenn es ein Campingplatz im Schwarzwald ist, der für den größten Notfall ein geheiztes Sanitärhaus hat. ;-)

3. Sich trauen! 

Wenn Ihr Eure Ausrüstung beisammen habt und die vorhergesagten Bedingungen im Toleranzbereich Eurer Ausrüstung sind - legt los! Ja, es wird nass und kalt und ungemütlich, aber auch ein Riesenspaß und Abenteuer!     

 

Ok, reden wir über die Ausrüstung:

1. Zelt

Hier reicht meist ein normales Trekkingzelt, solange Ihr nicht gerade auf großer Expedition seid. Es muss Euch vor allem vor dem fallenden Schnee und vor Wind schützen, alles andere übernimmt die übrige Ausrüstung. Ich hatte bei meiner letzten Tour das MSR HUBBA NX dabei und fand es völlig ausreichend - trotz "steifen Böhen und Sturmwarnung der Stufe 8". Link zum Zelt  

2. Isomatte/ Luftmatratze  

Dies ist mit Abstand der wichtigste Gegenstand Eurer Ausrüstung! Euer Schlafsack kann noch so gut sein, ohne gut isolierende Unterlage wird Eure Körperwärme ganz schnell im unter Euch liegenden Schnee/ Boden verschwinden. Der Wärmeverlust ist dabei umso höher je größer die Temperaturdifferenz ist, deshalb ist es meist besser auf (schlecht wärmeleitendem) Schnee zu liegen, der sich bald auf nahe 0 Grad erwärmt, als auf blankem Boden, der fast beliebig kalt sein kann.

Ob Ihr nun eine selbstaufblasende Isomatte vorzieht, eine Luftmatratze oder eine einfache Schaumstoffisomatte ist egal: wichtig ist ihr R-Wert, der den Wärmeübergangswiderstand der Matte angibt. Je höher der R-Wert ist, desto weniger Wärme wird von Eurem Körper in den kalten Untergrund geleitet.
Der Wert kann allerdings nur als grobe Richtlinie dienen: So ist ein R-Wert von 3 für Außentemperaturen von bis zu -5 Grad empfohlen, meine Exped Synmat Hyperlite mit dem Wert 3,3 wurde mir schon bei -2 Grad Celsius fast etwas zu kühl - vor allem an der Hüfte, einfach da ich sie nicht prall gefüllt hatte und dabei beim Seitenschläfer an der Stelle der Körper durchdrückt und nah am Boden hängt. Im Zweifel geht lieber auf Nummer sicher und nehmt einen deutlich höheren R-Wert als nötig oder - noch besser - zusätzlich eine zweite Isomatte zum Unterlegen. Eine stabile, dünne Schaumstoffisomatte plus eine bequeme Luftmatratze ist mir persönlich die liebste Kombination.

Die empfohlenen R-Werte im Überblick: 1 bis +7°C; 2 bis +2°C; 3 bis -5°C; 4 bis -11°C; 5 bis -17°C; 6 bis -24°C; 7 bis -32°C; 8 bis - 38°C; 9 bis -45°C; 10 bis -50°C

Noch ein Tipp: Sollte Eure Unterlage defekt sein oder einfach zu dünn: Kleidung unterlegen hilft ein wenig, aber im Zweifel brecht lieber ab - eine ganze Nacht ohne vernünftige Isolation nach unten ist nicht nur ungemütlich, sondern wird auch schnell gefährlich! 

3. Schlafsack

Der Schlafsack wird auf Eurer Wintertour meist der einzige warme Rückzugsort sein, nehmt lieber ein etwas wärmes Modell mit, das zusätzliche Gewicht und Geld ist gut investiert! 

Bei Schlafsäcken werden meist 3 Temperaturbereiche angegeben: der Komfortbereich, der als Richtlinie für die Norm-Frau (25 Jahre alt, 60kg schwer, 1,60 cm groß) in Thermounterwäsche und mit Mütze gilt, der untere Grenzbereich, der für den Norm-Mann (25 Jahre alt, 70kg schwer, 1,73 m groß) in ebensolcher Bekleidung gilt und dann  gibt es noch den extremen Bereich, in dem man wahrscheinlich noch überlebt, aber ganz sicher keinen Spaß mehr hat. 

Man kann auch die Isolierleistung seines etwas zu dünnen Schlafsack mit einem wärmenden Inlett verbessern, allerdings habe ich das auch schon getestet und fand den Zugewinn an Isolation doch eher mau. Außerdem steckt man dann in zwei Hüllen, die sich gegenseitig verdrehen, ich jedenfalls fand diese Konstruktion nicht sehr bequem. Seitdem nehme ich lieber noch ein zweites Set Thermounterwäsche mit; vom Gewicht her schenkt sich das nicht viel und ist viel bequemer und effizienter. Außerdem hat man gleich noch ein Wechselset für tagsüber.   

 

So, nun aber endlich zur Praxis:

1. Vorbereitung des Zeltplatzes

Sucht Euch eine schöne, möglichst windgeschütze Ecke und achtet darauf, nicht zu nah an Bäumen zu sein! Fallende Äste durch Schneebruch oder auch abrutschende Schnee- und Eismassen sind eine äußerst reale und potentiell tödliche Gefahr!

Manche Zelter ziehen es vor, den Schnee vor dem dem Aufbau des Zeltes zu entfernen, vielleicht in der Annahme, sonst über Nacht zum Boden durchzuschmelzen, was mir allerdings wirklich noch nie passiert ist. Eure Isomatte sollte schon dick genug sein, Eure Körperwärme in Euch zu halten und nicht in den Schnee zu leiten. Der Schnee hat zudem den Vorteil, Wärme schlechter zu leiten als der blanke Grund, somit sollte es in Eurem Zelt bald etwas weniger frostig sein. Außerdem sieht es viel schöner aus, auf Schnee zu zelten, als irgendwann in der Matsche zu spielen.

Die Vorbereitung des Untergrunds ist nun denkbar einfach: Lasst Euren Rucksack auf dem Rücken, um Euer Gesamtgewicht zu nutzen und trampelt den Schnee auf einer ausreichend großer Fläche nieder. Ein elegantes, seitliches Hin- und Hergleiten mit den Stiefeln schafft bald eine schöne, gleichmäßige Oberfläche.

 

2. Aufbau des Zeltes  

Hier stellt sich eigentlich nur die Frage der richtigen Verankerung des Zeltes: Ist die Schneedecke nicht allzu hoch, grabt einfach Löcher, um die Heringe ganz normal in den Boden einzuschlagen. Sollte der Schnee zu hoch sein, könnt Ihr Eure Heringe querlegen und mit Schnee bedecken - dies hält erstaunlich gut, wenn Ihr den Schnee schön festtretet und die Heringe lang genug sind. Sonst müsst Ihr improvisieren: Steine, vergrabene Äste, Eispickel... Möglichkeiten gibt es viele.

Soll es in der Nacht windig werden, könnt Ihr auch einen Schneewall um das Zelt bauen, das ist schnell und einfach erledigt und erhöht die Windfestigkeit des Zeltes enorm. Achtet aber darauf, dass die Belüftung des Zeltes nicht eingeschränkt wird, sonst habt Ihr ein erhöhtes Problem mit Kondenswasserbildung.

Ist die Schneehöhe ausreichend, kann man nun noch im Eingangsbereich einen Kältegraben ausheben: Ihr könnt Eure Beine dort hineinstellen und somit bequemer im Zelt sitzen und nachts soll die kälteste Luft dort hineinfallen, statt am Zeltboden zu liegen. Ob dieser Effekt wirklich viel ausmacht, darf gerne lebhaft diskutiert werden, bequem und lustig ist der Graben allemal.  

Wichtig: Sobald Euer Zelt steht und die Isomatte darin liegt unbedingt Probe liegen! Jetzt könnt Ihr den Schnee unter dem Zelt noch gut formen, um eine bequeme Liegefläche zu schaffen. Sobald der Schnee etwas schmilzt und wieder gefriert, wir das sehr schwierig.

 

3. Praktische Tipps für die Nacht 

- Eine Mütze hält Euch warm, andere Kleidung natürlich auch. Die Mär, dass man nackt im Schlafsack wärmer schläft, gilt höchstens mit der entsprechenden Begleitung und einem ausreichend großen Schlafsack. ;-)

- Kälteempfindliche Ausrüstung sollte mit in den Schlafsack! Vor allem Wassserfilter, die durch Eisbildung unbrauchbar werden können, aber auch Elektronik, bzw. deren Akkus, sind kälteempfindlich! Eingepackt in einen Packsack und ans Fußende des Schalfsacks gestopft, stören die Gegenstände nachts nicht allzu sehr. 

- Gutes, reichhaltiges Essen wärmt Euch von innen - Kalorienzählen ist hier nicht angebracht.

- Wenn Ihr nachts raus müsst, geht gleich. Früher oder später muss es ohnehin sein, quält Euch nicht. Die alternative Möglichkeit muss jeder für sich selbst entscheiden, aber markiert bitte Eure Wasserflaschen entsprechend zuverlässig und deutlich. ;-)  

 

 

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Letzte Änderung am Mittwoch, 09 März 2016 13:48
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